Fruchtwasserpunktion ( Amniozentese, AZ)
 
 

Bei der „Amniozentese“ entnimmt der Arzt zur Gewinnung von kindlichen Zellen mit einer dünnen Hohlnadel vorsichtig durch die Bauchdecke etwa 20 ml Fruchtwasser. Eine Betäubung ist nicht nötig, denn der Eingriff ist nur mit geringen Schmerzen verbunden, ähnlich wie bei einer Blutabnahme. Der Arzt kann mit Hilfe des Ultraschallgerätes den Weg der Nadel auf dem Bildschirm genau verfolgen. Dadurch wird verhindert, dass das Kind bei dem Eingriff verletzt wird. Die Entnahme des Fruchtwassers schadet dem Kind nicht, denn die Flüssigkeit wird sehr schnell wieder ersetzt. Im Fruchtwasser schwimmen abgestorbene Haut- und Schleimhautzellen des Kindes. Diese Zellen werden im Labor in einer Nährlösung zum Wachsen angeregt. Die Chromosomen dieser kindlichen Zellen können dann nach etwa 10-14 Tagen auf mögliche Störungen untersucht werden. Dadurch lässt sich z.B. ein Down-Syndrom sicher feststellen. Von Nachteil ist, dass die Fruchtwasserentnahme in der Regel erst zwischen der 15. Und 18. Schwangerschaftswoche vorgenommen wird. Vor allem die Tage bis zum Vorliegen des Ergebnisses werden von den meisten betroffenen Frauen als quälende Wartezeit empfunden.


Wann muss ich eine Amniozentese machen lassen?
Zuerst gilt, dass niemand eine AZ machen lassen muss.. Dies ist eine sehr individuelle Entscheidung, die von der eigenen ethischen und weltanschaulichen Auffassung abhängt. Will ich überhaupt eine Diagnostik, die eventuell mein Kind gefährdet? Kommt eine Abtreibung für mich in Frage? Was ist für mich der schlimmste Fall, eine Fehlgeburt durch die AZ oder die Geburt eines Kindes z.B. mit Down-Syndrom (Mongolismus, Trisomie 21)?

Dies sind sehr schwerwiegende Entscheidungen, die Sie mit Ihrem Frauenarzt besprechen müssen. Entscheiden müssen letztendlich aber Sie.

Offiziell gilt noch die Altersindikation, d.h. ab dem 35.Lebensjahr wird zu einer AZ geraten. Dies allein ist aber mittlerweile eine umstrittene Indikation, da 250 Punktionen durchgeführt werden müssen, um ein krankes Kind zu entdecken.

Eine weitere Indikation ist ein behindertes Kind in der eigenen Vorgeschichte oder in der Familie. Hier empfiehlt sich in manchen Fällen zuvor nach genetischer Beratung eine Blutabnahme und daraus eine Diagnostik bei der Schwangeren und bei ihrem Partner.

Auffällige Ultraschalluntersuchungen führen eventuell ebenfalls zur Empfehlung, eine AZ machen zu lassen.

Inzwischen gibt es eine spezielle Ultraschalldiagnostik (Nackentransparenzmessung), die zusammen mit Hormonbestimmungen eine sehr genaue Aussage liefern, welches persönliche Risiko für eine Trisomie 21 beim Kind besteht. Dies ist zwar nur eine Angabe der Wahrscheinlichkeit und keine Diagnose, aber eine sehr gute Entscheidungshilfe, ob eine AZ zu empfehlen ist oder nicht. Diese Untersuchung ist keine Kassenleistung und muss selbst bezahlt werden.

Welche Risiken hat eine Amniozentese?
Nach einer AZ kann es schlimmstenfalls zur Fehlgeburt kommen. Dies passiert dann meistens aufgrund eines Blasensprungs oder einer Infektion. Das Risiko liegt etwa bei 1:200. Es kann gesenkt werden, wenn 3 Tage vor der AZ mit einer Scheidenbehandlung mit Vitamin C-Scheidenzäpfchen begonnen wird. Da die AZ unter Ultraschallkontrolle durchgeführt wird, ist das Risiko das Kind zu verletzen äußerst gering.

Wie läuft eine Amniozentese ab?
Wenn Sie mit Ihrem Frauenarzt gesprochen haben und sich danach für eine AZ entschieden haben, kann Ihr Frauenarzt mit einem Spezialisten einen Termin vereinbaren.

3 Tage vor dem Eingriff beginnen Sie mit der Scheidenbehandlung.

Sie gehen zum vereinbarten Termin in die Praxis des Frauenarztes der die AZ durchführt. Es ist nicht erforderlich, dass Sie nüchtern sind.

Vor der Punktion wird nochmals ein Gespräch geführt, Sie geben schriftlich Ihre Einwilligung. Es wird mittels einer Ultraschalluntersuchung die Lage des Kindes und die Fruchtwassermenge beurteilt.

Die Punktion geht relativ rasch. Nach Desinfektion wird unter Ultraschallkontrolle an einer geeigneten Stelle mit einer extrem dünnen Nadel punktiert. Es werden etwa 17 ml Fruchtwasser entnommen. Das Fruchtwasser wird in ein genetisches Labor zur Untersuchung geschickt, Das Ergebnis liegt nach ca. 14 Tagen vor. Sie werden direkt angeschrieben. Wenn Sie es wünschen erfolgt eine Geschlechtsmitteilung.

Sollten Ihnen die Wartezeit von 14 Tage zu lang sein, gibt es einen Schnelltest (FisH). Dieser gibt innerhalb eines Tages Auskunft darüber, ob Fehlverteilungen der Chromosomen 13,18, 21 oder der Geschlechtschromosomen vorliegen. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten dieses Tests nicht.

Nach der Punktion sollten Sie sich einen Tag lang schonen. Am besten bringen Sie eine Begleitperson mit, die anschließend auch bei Ihnen zuhause ist.

Suchen Sie am nächsten Tag zur Kontrolle Ihren Frauenarzt auf.

Wo kann ich einen Termin vereinbaren?
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